Musik 
neue CD: Blue Lines Ding Dong Rec. 1060
 


Ingo Marmulla g - Caspar van Meel b  

Dominic Brosowski drm -  Gerd Dudek ts 

Matthias Bergmann  flh -  Catrin Groth as                       

Revierton - Studios Herne, Wolfgang Bökelmann




Mit „Blue Lines“ liegt meine aktuelle CD mit ausschließlich eigenen Kompo-sitionen vor. Der Titelsong Blue Lines gibt gewissermaßen die stilistische Richtung vor. Man hört meine Vorliebe für modernen straighten Jazz, der durchaus freie Elemente beinhalten kann, den Bezug zum erdigen, bluesiger Teil der Jazzgeschichte jedoch nicht verliert. Fast alle Stücke ent-standen während eines Sommerurlaubs in der bündner Schweiz. Die Titel sind nicht programmatisch, sondern folgen meist einer Song-Struktur. So verhält es sich auch bei Grishuna Blues: formal kein Blues, vielmehr die Transposition einer emotionalen Grundidee. Ein Blues muss nicht zwangs-läufig zwölf Takte haben ... Seven-Eleven Street spielt mit der Zahl 711. Das Stück hat viel mit meinen frühen Hörerfahrungen und der Musik von John Coltrane zu tun. Die Zahl benennt im Übrigen den „Asteroiden Marmulla“, der 1911 von dem österreichischen Astronomen Johann Palisa entdeckt wurde und bei meiner Namensforschung zu einem interessanten Ergebnis führte. Die einzige Fremdkomposition bildet das Stück Zephyr von Charlie Mariano. In unserem gemeinsamen Bandprojekt war dieses Stück für mich immer der akustische Höhepunkt unserer Zusammenarbeit. Folglich hegte ich seit langem den Plan, diese Komposition zu arrangieren und aufzunehmen.

   Way up, way down folgt dem Gesamtkonzept und wird von einem groovigen Shuffle-Rhythmus getragen. Wer mich kennt, weiß, dass ich eine besondere Vorliebe für diesen Rhythmus habe und dass bei jedem Auftritt irgendwann ein entsprechender Titel zu erwarten ist... My Ballad entstand kurz vor der Aufnahmesession und fügt sich in den Gesamtklang ein. Da ich häufig mit meinem Trio spiele, waren Trioaufnahmen ein unverzicht-barer Bestandteil dieser CD, die meine Arbeit dokumentiert. Der einzige formale Blues ist das Folgestück: Blues for BB. Mit den beiden Endbuchsta-ben könnte natürlich Benny Bailey gemeint sein. Das Hardbop-Intro scheint dies zu belegen.Tatsache ist, dass mehrere Personen die Initialen besitzen und der Song nicht auf meinen langjährigen Bandleader zurückzuführen ist. I remember Tizzano ist eine ältere Komposition, die ich jedoch häufig in Trioform spiele und deswegen hier auch so festgehalten werden sollte.

   Meinen Dank möchte ich meinen Begleitmusikern Caspar van Meel und Dominik Brosowski aussprechen, mit denen ich schon etliche schöne Konzerte gestalten dürfte und die mich auch bei dieser Produktion souverän unterstützten. Vielleicht noch einige Anmerkungen zu den Bläsern. Catrin Groth habe ich vor zwei Jahren bei einem „Soulkonzert“ kennen gelernt, hier bot sich die Gelegenheit zu einer weiteren Zusammenarbeit. Matthias Bergmann ist ein wirklich toller Flügelhorn-spieler. Er ist nicht nur menschlich zuverlässig, sondern auch spieltechnisch... Was soll man zu Gerd Dudek sagen? Für mich – und nicht nur für mich – ist er einer der ganz großen. Und ich bin wirklich glücklich, dass wir häufig zusammen spielen und ich so die Gelegenheit habe, von ihm zu lernen. Dank an alle.


Ingo Marmulla

Recklinghausen, 6.3.2014